PFEIFFERS gå KVEITE 2005 AUF VANNØYA
 

Du legst in Torsvåg ab, Bug- und Heckende unelegant zugleich. Du fühlst Dich überhaupt nicht fit, weil gestern eine Party mit den Einheimischen stattfand. Fährst an der stillgelegten Dorschfarm und der Hafenmole vorbei. Zwischen den Fahrwassermarkierungen hindurch, auf welchen Dich Kormoranähnliche Vögel beobachten. Du winkst keinem Sohn des Leuchtturmwärters, weil der Leuchtturm automatisiert ist. Die dicken Männer an Bord gehen keinerlei Arbeit nach, weil sie als Ballast für das schnelle Boot dienen und auf den Bug verbannt sind, damit es bei dem Gewicht einigermaßen in Gleitfahrt kommt. Vorbei an Flesa, die Möwen schreien. Und Du weißt: Du warst noch nie ein Heilbuttfänger und hast noch nie einen richtig großen Dorsch gefangen…

(frei nach dem Buch "The Perfect Storm"  von Sebastian Junger)

Das Berliner Norwegenteam Eisele sprich Tanja und Karsten sind auch zurück aus Nordnorwegen. Doch im Gegensatz zu unserem restlichen Norwegenteam Eisele durften wir ohne größere Windwidrigkeiten ´raus auf´s Nordmeer und die letzten zwei Augustwochen nach Herzenslust angeln!

Übrigens hatten wir unsere Team-Gefährten während unserer Heimreise noch am 02.09.05 per Riesenzufall am Osloer Flughafen getroffen und ihnen innerhalb von fünf Minuten alle besten Wünsche und Tipps mitgegeben - aber ihr habt ja leider selbst gelesen… (siehe Mikel´s Artikel zu Sorøya)

Zurückgekehrt zu unserer seit über einem Jahr geplanten, Heilbutt-Tour:


Nach zweimaligem Umschmeißen des Reisezieles hatte Andree Hörmann von Din Tur genau DIE Location parat, die wir sechs Reisende uns in der Theorie immer ausgemalt hatten! Es war dies die brandneue Anlage "Torsvåg Havfiske" von Sonja, Bjørnar und Leila im Fischerdorf Torsvåg auf der Insel Vannøya.

Gelegen am 70. Breitengrad Nord, ist diese Insel bekannt für kapitale Heilbuttfänge - jüngstes Ergebnis war der 380 Pfund schwere Kveite, welcher von einem Dänen im Jahr 2004 gefangen wurde und den neuen IGFA-Weltrekord für atlantischen Heilbutt darstellt! Und die Anlage sprich der Ausgangshafen liegt in unmittelbarer Nähe der fischreichsten Gründe, die ein jeder von uns bislang in Norwegen kennenlernen durfte!

Und weil der komplette Bericht zu unserer Tour in der April-Ausgabe der Kutter & Küste erscheinen wird, werde ich hier nicht allzu viel vorwegnehmen. Aber: alle sechs, seit Jahrzehnten in Norwegen angelnden, Teilnehmer unserer Tour - Torsten, Christian, Jirko, Nick, Tanja und ich (alle zusammen über 70 Saisons Norge-Erfahrung) - fingen nicht nur 18 verschiedene Fischarten, was für Nordnorwegen schon ein Rekord an sich ist. Es wurden insgesamt 19 (in Worten: neunzehn!) persönliche Fangrekorde innerhalb unserer Gruppe aufgestellt!

Zum Material: zwar hatten wir auch normales Mittelnorwegen-Gerät dabei, aber schnell merkten wir alle, dass die vorherrschenden kampfstarken Fische Ruten der 20-30lbs Klasse plus starke Multirollen erforderten. Schnurbrüche, Verfolgungsjagden während des Drills mit Kutter/ Kleinboot und abgeriebene Bremsdaumen lieferten uns die schnelle Überzeugungsarbeit, dass Gerätschaften der 12-16lbs Klasse an Land bleiben durften. Nur namhaftes Angelgerät von Penn, Shimano und Avet kam zum Einsatz. Bester Pilker überhaupt übrigens war an allen Ruten der original Sølvkroken Svenskepilk in Gewichten zwischen 300 und 600 Gramm - so ziemlich alle Dorsche und die größten Seelachse wurden auf diesen Köder gefangen!

Bis auf drei Tage konnten wir immer mit unseren nagelneuen Hansvik Booten mit Mittelsteuerstand und 60 PS Außenbordern (gepaart mit Humminbird Echolot und GPS) oder dem zur Verfügung stehenden Viksund Kutter mit 10,70 Meter Länge und 320 PS ausfahren. Wir fischten direkt auf dem Nordatlantik - an fischüberfüllten Untiefen, auf Straumen-ähnlichen Sunden und auf Sandplateaus, begleitet von Seeadlern, Sturmvögeln und Schweinswalen.

Und wir fingen unglaublich! 14 Heilbutts, davon 8 Exemplare vom Ufer oder auf dem in der Nähe befindlichen Sund! (nur sechs waren nach unserer höher angesetzten Messlatte  untermaßig - das Maß der Berufsfischer für atlantischen Heilbutt liegt übrigens bei winzigen 60cm, in dieser Länge sind die Heilbutts noch nicht einmal laichfähig…)                     

Ich legte zum Beginnn der zweiten Woche vom Boot aus einen Heilbutt mit 84cm Länge und 14 Pfund vor, welcher einen ganzen Hering am Circle-Hook und einer Runningboom-Montage interessant fand.

Ein paar Tage später schlug Nick mit einem 86cm Butt und 18 Pfund zu, die Montage wieder Runningboom und Circle mit ganzem Hering!

Aber auch die restlichen Nordmeer-Fische waren uns wohl gesonnen! Unsere erste Ausfahrt mit dem großen Viksund-Kutter Mitte der ersten Woche beschreibt das enorme Potenzial dieses Seegebietes: bevor wir uns wegen des auffrischenden Windes erst mal Richtung Ufer verkrümelten, fing Torsten am frühen Vormittag nach Wahnsinnsdrill und -drift einen ersten Dorsch von 36 Pfund.                             

Nach abflauendem Wind fuhren wir die Stelle erneut an, und Jirko lieferte seinen Doppelschlag mit bis dato persönlichen Rekorden: Dorsch 30 Pfund und Seelachs 30 Pfund!                       

Tanja setzte die Pfeiffersche Marke mit einem 30pfündigen Dorsch erst mal in unerreichbare Höhe für ihren Gatten….                                               

Nebenbei fingt Nick an Runningboom-Montage und ganzem Hering am Circle-Hook zwei untermäßige Heilbutts. Gottlob konnte Bjørnar unseren Fang verwerten, denn wir kamen mit rund 500 Pfund Dorsch und Seelachs in den Hafen zurück.

Der Tag aller Tage aber begrüßte uns in der zweiten Woche schon früh morgens mit Sonnenschein und spiegelglattem Meer. Wir fuhren zeitig sehr weit raus, zu den zahlreichen Untiefen und Riffen vor Vannøya. Dort mussten wir die Dorsche erst einmal längere Zeit suchen, aber dann! Tanja eröffnete den Reigen mit drei Dorschen zwischen 22 und 32 Pfund, bis Jirko und ich überhaupt mal den ersten Drill bekamen. Jirko landete einen wunderschönen 37pfündigen Nordmeer-Leoparden und rief daraufhin per Handy unser zweites Boot heran.

Auch ich hob einen 23-Pfünder in´s Boot, mittlererweile nur in T-Shirt und Hose (und natürlich Automatik-Schwimmweste am Körper, wie wir alle an jedem Ausfahrttag!). Dann beim nächsten Ablassen spürte ich diesen typischen Hänger, der sich in Bewegung setzt. Meine Penn Special 112 LH war der Aufgabe trotz stärkster Bremswirkung nicht mehr gewachsen, zum Glück war das Wasser nur rund 40 Meter tief. Nach etwa 10 Minuten sollte Jirko dann, während Tanja den Drill filmte, den größten Dorsch unserer zweiwöchigen Tour mit dem Gaff in´s Boot hieven: 115 cm und genau 40 Pfund!!!

Abends legten wir überglücklich an und präsentierten unseren Norwegern einen Teil des sensationellen Fanges:

Auch auf die anderen Plattfischarten wie Kliesche, Flunder und Scholle angelten wir Sechs mit großem Erfolg. Ich hatte erstmals ein Paket GULP!-Wattwürmer dabei und fing mit diesem Kunstköder an dem grün-weißen Eisele-Plattfischvorfach vier Klieschen, zwei Wittlinge und einen Seelachs.

 

Tanja fing an einem anderen Tag auf mit Heringsfetzen beködertes rot-orangefarbenen Eisele Steinbeißer-Naturködervorfach die größte Scholle des Urlaubes, ein wunderschön rotgetupftes Exemplar mit 52 cm.        

  

Aber auch Pfeiffers bislang größten Rotbarsch konnte Tanja für sich verbuchen, gefangen an Pro Select Black Panther 120gr Norge-Ausführung.

Oder diesen prachtvollen 18pfündigen Seelachs, gefangen auf Sølvkroken Svenskepilk:

Was uns genauso tief wie die Angelei an diesem Revier beeindruckt hat, war die einzigartige Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft von Sonja, Laila, Ann-Elisabeth, Bjørnar und Jan! Wir feierten fröhliche und ausgelassene Parties oder saßen abends einfach gemeinsam gemütlich vor den Appartements zusammen, lachten und klönten. In solch guten Händen und angenehmer Gesellschaft waren wir noch nie in einem Angelcamp, tusen takk!!! Genauso stimmig war unsere Truppe - was haben wir gelacht, gefachsimpelt, gefeiert und geteamworkt: es war uns eine Ehre, mit euch zusammen geangelt zu haben, Torsten, Christian, Nick und Jirko!

Auch Andree Hörmann und Matthias Ullrich von Din Tur sei an dieser Stelle herzlich für die perfekte Reiseplanung und dieses Top-Ziel gedankt, welches im 2006er Din Tur Katalog zu finden sein wird.  Bleibt für Tanja und mich nur zu hoffen, dass wir unsere Norwegenteam-Mitglieder mit Fotos, Filmen und Berichten so sehr für dieses Ziel interessieren können, dass es 2006 für unser Team heißt:

HART AM FISCH VOR VANNØYA!

Viele Grüße und "skitt fiske!"

Tanja & Karsten

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